Vipassana Meditation – die indische Einsichtsmeditation

Wir sehen die Welt nicht, wie sie wirklich ist, sondern durch den Filter unserer subjektiven Wahrnehmung. Unsere Sinnesreize werden im Gehirn verarbeitet, von unserem Ego dirigiert und als verzerrtes Abbild der Wirklichkeit ausgegeben. Schon vor tausenden Jahren haben Hinduisten und Buddhisten erkannt, dass die Welt - wie wir sie wahrnehmen - nur eine Illusion ist. Wenn du wissen möchtest, wie die Welt wirklich aussieht und wie du sie mit Hilfe der Vipassana Meditation auch selbst erfahren kannst, dann bist du hier goldrichtig! 

Schaue Dir hier das Video zum Beitrag an

Was ist Vipassana? 

Die Vipassana Meditation ist eine der ältesten bekannten Meditationen, die in Indien beziehungsweise im Buddhismus sehr verbreitet ist. Vipassana bedeutet so viel wie „Einsicht“ und die Vipassana Meditation wird angewendet, um das Leiden zu überwinden und das Nirwana zu erlangen.  

Um von der Vipassana Meditation zu profitieren, musst Du allerdings kein Anhänger des Buddhismus sein, genau genommen wird die Vipassana Meditation sogar häufig im Rahmen von Achtsamkeitsübungen verwendet, die Du religionsunabhängig durchführen kannst. Daher findest du anstelle des Begriffes Vipassana Meditation auch häufig den Namen Achtsamkeitsmeditation, obwohl das nicht das Gleiche ist. 

Hintergründe und Bestandteile der Vipassana Meditation

Wenn Du die Vipassana Meditation erlernen und durchführen möchtest, solltest Du den ursprünglichen Hauptzweck der Vipassana Meditation kennen.  

Diese Meditation sollte dazu dienen, eine völlig klare Sicht auf sich selbst zu erhalten. Dabei sollte der Gedanke an die eigene Vergänglichkeit dabei helfen, alle Ängste und Sorgen (oder „Leiden“) fallenzulassen. Ist Vipassana Meditation gefährlich? Ganz klar: Nein! Doch es gibt ein paar Dinge zu beachten. Damit das Ziel auch wirklich erreicht werden kann, müssen die Meditierenden fünf Verhaltensrichtlinien beherzigen: 

Vipassana Meditation

Vipassana Meditation

  • Die Erkenntnis, dass die Achtsamkeit und Einsicht sich in mehreren Stufen entwickelt. Daher haben die Schüler auch immer aufeinander aufbauendes Wissen übermittelt bekommen. 

  • Die Schüler der Vipassana Meditation müssen Achtsamkeit und Intuition erlernen, wozu auch bestimmte andere Meditationsformen wie beispielsweise Zen oder Achtsamkeitsmeditation gehören. Lerninhalt ist hierbei eine neue Art der Wahrnehmung – die „nicht-begriffliche oder egolose“ Wahrnehmung.  

  • Die neuen Einsichten, die durch die Vipassana Meditation gewonnen werden sollen, müssen anschließend auch vertieft und verinnerlicht werden. Dazu müssen die meditierende Konzentration und ständige Fokussierung auf den Augenblick erlernen.  

  • Ein zentraler Punkt dabei sind die „Vier Vergegenwärtigungen der Achtsamkeit“, bei der sich der historische Buddha in einer Rede auf die folgenden vier Punkte beruft: Körper, Sinne, Geist und Wahrheit. 

  • Wie aus verschiedenen anderen Meditationen bereits bekannt, gehört auch bei der Vipassana Meditation ein weiterer wichtiger Punkt dazu: das bewusste Ein- und Ausatmen.

Vipassana Meditation – welche Methoden sind für wen geeignet?

Das Interessante an der Vipassana Meditation ist, dass sie in unterschiedlichen Traditionen verschiedene Ausprägungen bekommen hat. Wenn Du also heute diese Art der Meditation  lernen möchtest oder sogar ein Vipassana Retreat besuchen möchtest, stehen dir verschiedene Techniken zur Verfügung, die auf den unterschiedlichen Schulen beruhen. 

Vipassana Meditation – die indische Einsichtsmeditation

Vipassana Meditation hilft dir dabei deinen Verstand zu überwinden und über dein Ego hinauszublicken.

Es gibt vier besonders bekannte Vertreter der Vipassana Meditation, die ihre Methoden für eine bestimmte Zielgruppe entwickelt haben. So kannst auch Du auswählen, welche Dir am besten zusagt, wenn du an einem mehrtägigen Vipassana Retreat teilnehmen möchtest. 

Diese vier bekannten Lehrer sind: 

Sayagyi U Ba Khin (1899 – 1971) – Methode des „Body Sweeping“. 

Sie legt viel Wert auf das bewusste Ein- und Ausatmen zur Beruhigung des Geistes. Dass diese Methode funktioniert, zeigen die Anwendungen, die tatsächlich in indischen Gefängnissen erfolgreich durchgeführt werden.  

Diese Methode ist perfekt für dich, wenn du stark auf deinen Körper und deine Emotionen fokussiert bist. 

Mahasi Savadaw (1904 -1981) – Methode des „Benennens“. 

Sie ist besonders beliebt bei Meditierenden anderer Religionen, da sie sehr pragmatisch und einfach ist und einen schnellen Einstieg erlaubt. Bei dieser Art der Meditation gilt die Konzentration nur indirekt dem Atem, denn hier wird das Heben und Senken der Bauchdecke während der Meditation beobachtet.  

Die Methode eignet sich für dich, wenn du ein starker Denker bist.  

Ajahn Chah (1918 – 1992) – Der Weg der Klostergemeinschaft. 

Er geht den traditionellen Weg der Ordensgemeinschaften, den er entstammt der alten Theravada-Schultradition des Buddhismus. Ihm ist es zu verdanken, dass ab den 1970er-Jahren weltweit viele Klöster gebaut wurden, in denen seine Traditionen weitergetragen wurde.  

Seine Meditationsmethode ist gut geeignet für Dich, wenn Du ein herzlicher Gefühlsmensch bist.  

Ajahn Buddhadasa / Buddhadasa Bhikku (1906 -1993) - Die „Naturmethode“ oder die „Leerheit aller Dinge“. 

Auch er war ein Theravada-Mönch, bei dem auch viele ausländische Suchende landeten, um von ihm zu lernen. Er unterhielt sich oft mit den Vertretern anderer Religionen, weil er der Ansicht war, dass die Religionen im Kern alle dasselbe bedeuteten.  Noch kurz vor seinem Tod errichtete er ein Zentrum, in dem auch Angehörige anderer Religionen die Chance hatten, sowohl die Lehren Buddhas zu lernen als auch die Vipassana Meditation.  

Seine Art der Meditation ist gut geeignet für dich, wenn Du eine intuitive Person bist mit einer großen Anlage zur Inspiration. 

Vipassana Meditation Anleitung fürs Heim-Retreat

Was ist ein Vipassana Retreat? Das heißt, man zieht sich für mehrere Tage aus dem Leben zurück, besucht vielleicht ein Meditations-Kloster und praktiziert dort die Vipassana Anleitung.

Doch Du musst dafür nicht unbedingt dein Haus verlassen, sondern kannst dein eigenes Vipassana Retreat auch zu Hause durchführen. Dazu musst du dich aber nicht unbedingt Daheim einsperren. Du kannst die Vipassana Meditation auch wunderbar in deinen Alltag integrieren. Befolge dazu einfach diese Schritte: 

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Schritt 1

Wie lange möchtest du Vipassana praktizieren? Prinzipiell ist alles möglich. Von 20 Minuten bis hin zu mehreren Tagen ist alles möglich. Ich empfehle dir zumindest einen ganzen Tag. Plane also im Voraus, wann du die Vipassana Meditation starten möchtest. Als Anfänger empfehle ich dir, dich von dem Alltagstrubel zurückzuziehen und die Tage viel mit dir selbst oder in der freien Natur zu verbringen.

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Schritt 2

Starte die Vipassana Praxis am besten direkt nach dem Aufstehen. Für den Zeitraum des Retreats gilt für dich diese eine goldene Regel: Versuche jede Wahrnehmung so intensiv und bewusst wahrzunehmen wie nur möglich. Dies gilt vor allem für deinen Atem. Du wirst schnell erkennen, dass es in jeder Kleinigkeit und in jedem Moment sehr viel zu entdecken gibt. Nimm dir deshalb an diesem Tag nicht zu viel vor, führe jede Bewegung ganz langsam aus und beobachte ganz genau, welche Empfindungen in jedem Moment aufkommen.

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Schritt 3

Praktiziere mehrmals am Tag eine Sitzmeditation und beobachte dabei deinen Atem noch intensiver. Nach der Sitzmeditation behältst du die achtsame Haltung bei und nimmst in deinen Alltagstätigkeiten jede Bewegung, jeden Atemzug und jeden Gedanken ganz achtsam wahr. Beobachte einfach was in deinem Inneren geschieht. Solltest du dich in deinen Tätigkeiten oder in Gedanken verlieren, kannst du deine Aufmerksamkeit wieder auf den Atem lenken und zur Vipassana Übung zurückkehren.

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Schritt 4

Nach einiger Zeit wird dir auffallen, das alle Reize aus deinem Unbewussten kommen. Sie sind das Produkt deines Egos. Wenn du ganz achtsam bist, kannst du einfach beobachten, wie dein Körper, deine Gefühle und deine Gedanken von deinem unbewussten Verstand gesteuert werden. Kannst du diesen Prozess einfach beobachten und deine Achtsamkeit vollkommen auf den jetzigen Moment ausdehnen? Perfekt! Das ist das Ziel der Vipassana Meditation. Sehe die Dinge wie sie wirklich sind. Sehe, dass deine Wahrnehmung nur eine Illusion des Egos ist. Dehne deine Achtsamkeit auf das aus, was du wahrnehmen kannst, aber auch auf das, was du nicht wahrnehmen kannst. Auf das, was hinter deinem Ego liegt. Bleibe so lange und so tief wie möglich in diesem Zustand und versuche ihn bei all deinen Alltagstätigkeiten aufrecht zu halten. Beim Essen, Kochen, Sprechen, Spazieren, Arbeiten, …

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Schritt 5

Wenn dein Vipassana Retreat zu Ende ist, wirst du merken, dass du ganz feinfühlig bist. Du wirst das Leben viel intensiver wahrnehmen als zuvor und viele selbstverständliche Alltagssituationen in Frage stellen. Das ist gut so. Dadurch, dass du über lange Zeit Achtsamkeit praktiziert hast, wird sich das auch auf dein Leben widerspiegeln. Gib diesen Momenten besonderen Raum, anstatt einfach wieder zurück in den Alltagstrott zu kehren. Ein Vipassana Meister würde sagen: Vipassana beginnt und endet nicht mit dem Retreat. Wahre Vipassana Meditation hat kein Anfang und kein Ende.

Probiere diese 5 Schritte doch gerne einfach mal aus. Das Tolle ist, dass du es auch gemeinsam mit deinem Partner oder mit Freunden durchführen kannst. Als kleine Hilfe habe ich eine geführte Meditation für dich aufgenommen, die du dir hier kostenlos anhören kannst.

Die Meditation kannst Du Dir hier herunterladen.

Dort führe ich dich Schritt für Schritt in den richtigen Geisteszustand den du für die Vipassana Meditation benötigst. Das hilft dir nicht nur dabei dein Ego während der geführten Meditation zu überwinden, sondern auch dabei den restlichen Tag in diesem achtsamen Zustand zu bleiben. Gerne kannst du die Meditation auch mitmachen, ohne gleich ein ganzes Retreat zu starten, um einfach mal in die Vipassana Meditation hineinzuschnuppern. Mach also gern mit, ich freue mich auf dich. 

Hast du jetzt noch Fragen zum Thema, dann ab damit in die Kommentare. Lass uns darüber diskutieren. Wenn ich dir weiterhelfen konnte, dann lass gerne eine Bewertung da, abonniere unseren Kanal für mehr solcher Inhalte und dann würde ich sagen, sehen wir uns im nächsten Video wieder, indem wir unser Bewusstsein weiter entfalten und unserem HigherMind einen Schritt näher kommen. Ciao. 

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  • Hast Du selbst schon Erfahrungen mit der Vipassana Meditation gemacht? Schreib mir hier doch gerne einen Kommentar 🙂 Ich freu mich auf Dich!

    • Hey, Anrey, ich habe persönlich keine Erfahrung damit. Jedoch Meditation ist meine Rettung. Übrigens, 2 von 9 meine täglichen Meditationen gehören dir. Vielen Dank dafür.

      • Was hast Du bei dieser Meditation empfunden? Für mich ist es ein geniales Hilfmittel, um im Hier und Jetzt anzukommen 🙂

  • Habe diese Meditation einmal gemacht. Ich war selten so entspannt! Sollte man diese Meditation eher zum Einschlafen nutzen oder kann ich sie auch nachmittags oder in der Mittagspause machen?

    • Du kannst sie immer dann nutzen, wenn Du innerlich unruhig oder gestresst bist. Denn diese wird dir spürbar dabei helfen, mehr Ruhe und Gelassenheit zu erhalten 🙂

  • Ich habe wenig Erfahrungen mit Meditation, da ich, wenn ich es “versuche”, mich eher anspanne, als entspanne.
    Zu dieser Meditation habe ich eine Frage, die mich schon lange beschäftigt. Bin ich als Beobachter im Außen, also schaue ich von außen auf mich (z.B. von über dem Kronenchakra) oder bin ich im Zentrum des Kreises? Also im Innen, Inneren meines Körpers?
    Für zu Hause habe ich mir das Retreat für einen Tag vorgenommen.
    Ich bin sehr gespannt darauf.
    Vielen Dank für diese Seite, die Meditation und die Anleitung.
    Von Herzen Ines

    • Liebe Ines, genau diese Frage hat mich auch lange beschäftigt. Ich habe meinen Körper immer von außen betrachtet. Auch in Visualisierungen habe ich mich immer mich selbst in einer Situation vorgestellt. Ich fand nie die Antwort darauf, glaube aber, dass es gar nicht so verkehrt ist, in diesem Moment zu erkennen, nicht allein mein physischer Körper zu sein, sondern alles zu beobachten. Vielleicht kann mich aber jemand eines besseren belehren? In dieser Meditation ist es mir gelungen, das ganze von innen zu beobachten, indem ich meinen Blick in Richtung meines Unterbauches gesenkt habe. So war meine Aufmerksamkeit in mir und habe trotzdem beobachten können.

  • Ich kenne die Vipassana Meditation nach Goenka ! Ich möchte auch dein Versionen kennenlernen!
    Dankeschön das du hilfst diese Wunderbare Methode verbreiten!
    Weitere viel Erfolg
    Maria Mannah

    • Vielen Dank Maria. Dann wünsche ich viel Spaß beim Üben dieser Version 🙂

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